Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann im Austausch mit Martina Lehmann von der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim
Wie können Beschäftigte im Enzkreis angesichts des wirtschaftlichen Strukturwandels neue Perspektiven erhalten? Welche Chancen bieten Weiterbildung und Qualifizierung? Und wie können Betriebe ihren Fachkräftebedarf langfristig sichern? Über diese Fragen tauschte sich die Grüne Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann mit Martina Lehmann, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, aus.
Die wirtschaftliche Situation im Enzkreis ist angespannt. Die Region ist stark durch Industrieunternehmen und Automobilzulieferer geprägt, die unter anderem durch hohe Energiekosten, internationale Handelskonflikte und geopolitische Krisen unter Druck stehen. Der Abbau von Industriearbeitsplätzen und die daraus resultierende steigende Arbeitslosigkeit machten deutlich, wie tiefgreifend der Strukturwandel inzwischen auch den regionalen Arbeitsmarkt erfasst habe, so Lehmann.
„Diese Entwicklung stellt unsere Region vor große Herausforderungen. Entscheidend ist, dass wir den Beschäftigten frühzeitig neue berufliche Perspektiven eröffnen“, betonte Seemann. Die Arbeitsagentur spiele dabei eine zentrale Rolle. Durch deren enge Vernetzung mit Betrieben, Sozialpartnern, Bildungsträgern und weiteren regionalen Partnern sowie deren Förderinstrumentarium könnten Beratungsangebote und Qualifizierungsmaßnahmen gezielt eingesetzt werden.
Ein besonderer Schwerpunkt des Gesprächs lag daher auf den Chancen der beruflichen Weiterbildung. Die Arbeitsagentur setzt bewusst auf Prävention und unterstützt mit speziell dafür ausgebildeten Beratungsexperten vom Strukturwandel betroffene Betriebe, deren Beschäftigte und Betriebsräte. Dies geschieht durch individuelle Beratung zu Qualifizierungsangeboten und in der Regel sogar finanzieller Förderung.
„Jeder Euro, den wir investieren, um Arbeitslosigkeit zu verhindern, ist ein gut investierter Euro,“ ist Lehmann sich sicher.
Und weiter: „Unser Ziel ist es, alles dafür zu tun, dass jeder Mensch im Nordschwarzwald, der einen Berufsabschluss nachholen möchte, auch die Möglichkeit dazu bekommt.“ Dies sei mit Blick auf die demographische Entwicklung und dem voraussichtlichen Rückgang des Erwerbspersonenpotentials um ca. 30.000 Personen bis 2035 in der Region nicht nur wichtig, sondern zwingend notwendig.
Ein weiteres Thema war in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer frühzeitigen Berufsorientierung an Schulen. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur ist dazu an allen Schulen mit entsprechenden Sprechzeiten und Veranstaltungen präsent und sie berät jedes Jahr an die 9000 Jugendliche im Nordschwarzwald zu allen Fragen rund um Ausbildung und Studium und veranstaltet am 22.4.2027 im CCP auch wieder ihre große Ausbildungsmesse „Beruf aktuell“.
Lehmann und Seemann waren sich einig, dass Jugendliche bei ihrer Berufswahl vor allem ihren Interessen und Stärken folgen sollten. „Wer mit Begeisterung einen Beruf erlernt, bringt die beste Voraussetzung mit, um sich auch in einer Arbeitswelt zu behaupten, die sich durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz ständig verändert“, so Seemann.
Auch der Fachkräftemangel in der Pflege und die Erwerbsbeteiligung von Frauen kamen zur Sprache. „Wir konnten in den letzten Jahren vielen hundert Menschen, überwiegend Frauen, den Einstieg in den für unsere Gesellschaft so wichtigen Pflegesektor ermöglichen – mit unterschiedlichsten finanziellen Unterstützungsleistungen“, betont Lehmann.
Daran schloss Seemann an: „Wenn wir wollen, dass mehr Frauen ihre beruflichen Möglichkeiten ausschöpfen können, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören eine verlässliche Kinderbetreuung und Arbeitsplätze, die gut erreichbar sind.“ „Alles in allem haben wir in unserer Region viele engagierte Unternehmen und Menschen mit großem Potenzial. Diese zu fördern und Beschäftigung langfristig zu sichern, muss unser gemeinsames Ziel sein“, fassten die Beiden das Gespräch abschließend zusammen.

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