Wie viel ehrenamtliches Engagement für Natur- und Artenschutz direkt vor unserer Haustür geleistet wird, hat die Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann bei einem Waldspaziergang mit dem NABU Neulingen erlebt. Im Rahmen ihrer Sommertour traf sie sich im Neulinger Wald mit den Ehepaaren Monika und Bernd Krüger sowie Stefanie und Ilko Krätzschmar von der Vorstandschaft des NABU Neulingen.
„Hier sind Menschen mit unglaublich viel Wissen, Herzblut und persönlichem Einsatz dabei, unsere Welt und unseren Wald jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen. Dieser Einsatz für unsere natürlichen Lebensgrundlagen verdient Anerkennung und vor allem Unterstützung“, sagte Seemann.
Wie vielfältig dieser Einsatz ist, zeigte sich beim Rundgang durch den Wald. Habitatbäume und Natura-2000-Gebiete waren ebenso Thema wie Fledermäuse und der Schutz von Amphibien. Mit After-Work-Waldspaziergängen in unterschiedlichen Jahreszeiten bringt der NABU zudem interessierten Bürger*innen die Tier- und Pflanzenwelt des Waldes näher.
Besonders eindrücklich ist auch die Rehkitzrettung. Ehepaar Krätzschmar sucht vor der Mahd mit Wärmebilddrohnen Wiesen ab und retten so jedes Jahr ca. 120 Jungtiere. Die dafür benötigten Drohnen musste der NABU Neulingen allerdings selbst finanzieren. „Wir leisten die Kitzrettung ehrenamtlich und unentgeltlich. Trotzdem fallen wir bei bestehenden Zuschüssen durchs Raster, weil wir als NABU nicht ausschließlich Rehkitzrettung betreiben. Solche bürokratischen Hürden müssen abgebaut werden“, wünschen sich Krätzschmars.
Großen Handlungsbedarf sehen die Naturschützer*innen auch bei der Wildtierhilfe. Pflege, Unterbringung und häufig auch Tierarztkosten werden von Ehrenamtlichen getragen oder über Spenden finanziert. Die Helferinnen stoßen damit zeitlich, finanziell und psychisch zunehmend an ihre Grenzen. „Ehrenamt ist eine tragende Säule des Naturschutzes und braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Wer verletzte oder verwaiste Wildtiere aufnimmt, übernimmt eine wichtige Aufgabe für die Allgemeinheit. Wir müssen deshalb darüber sprechen, wie die Ehrenamtlichen dauerhaft unterstützt und entlastet werden können“, so Seemann.
Bernd Krüger wünscht sich zudem verpflichtende Naturschutzschulungen für kommunale Verwaltungen, Bauhöfe und Straßenmeistereien: „Wer täglich in der Fläche arbeitet, muss geschützte Arten erkennen und wissen, was das Naturschutzrecht praktisch bedeutet.“ Auch die Folgen zunehmender Hitze und Trockenheit müssten stärker berücksichtigt werden. Gerade Amphibien seien darauf angewiesen, dass bei extremer Trockenheit schnell gehandelt und beispielsweise das Austrocknen wichtiger Laichgewässer verhindert werde.
Diskutiert wurden außerdem Katzenschutzverordnungen und mögliche Instrumente zur Verringerung der Zahl freilaufender und verwilderter Katzen.
Für Seemann sind solche praktischen Erfahrungen wichtig für die Landespolitik: „Baden-Württemberg ist ein Land mit einer enormen biologischen Vielfalt. Diese zu bewahren, ist für uns Grüne keine Nebensache, sondern eine zentrale Zukunftsaufgabe. Intakte Wälder, lebendige Gewässer und vielfältige Lebensräume schützen Artenvielfalt und Klima und damit unser aller Lebensgrundlage. Dafür brauchen wir einen starken gesetzlichen Rahmen und ausreichend finanzierte Naturschutzstrukturen.“
Seemann nimmt aus dem Besuch vor allem eines mit: „Artenvielfalt erhalten wir nicht allein durch Gesetze. Wir brauchen Menschen, die hinschauen, anpacken und andere für die Natur begeistern. Genau das leistet der NABU Neulingen – mit beeindruckendem Engagement.“

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