Die Sorge um die Krankenhäuser in der Region wird immer greifbarer. Was in Berlin zurzeit als Reform debattiert wird, droht vor Ort zu einer existenziellen Krise für die Patientinnen und Patienten zu werden. Um sich ungefiltert ein Bild von der Lage zu machen, hat sich die Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann (Grüne) zu einem Krisengespräch mit Ingrid Machauer, Krankenhausdirektorin des Siloah St. Trudpert Klinikums in Pforzheim, getroffen. Ihr Fazit: Die derzeitige Finanzierungspolitik des Bundes setzt wirtschaftlich solide Krankenhäuser zunehmend unter Druck.
Die große Angst: Wiederholt sich das Drama des Marienhospitals?
Das Siloah St. Trudpert Klinikum leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung in Pforzheim und dem Enzkreis. Gleichzeitig wächst der wirtschaftliche Druck immer weiter. Im Gespräch wurde auch die Entwicklung des Stuttgarter Marienhospitals thematisiert. Dort stand ein hochgeschätztes Krankenhaus mit einem christlich-freigemeinnützigen Träger am Ende vor dem finanziellen Nichts, weil die realen Kosten nicht mehr gedeckt wurden. Eine vergleichbare Entwicklung dürfe sich nach Ansicht der Gesprächspartnerinnen nicht wiederholen.
Stefanie Seemann, MdL (Bündnis 90/Die Grünen):
„Wir dürfen nicht wegschauen, während in Berlin ein Strukturwandel beschlossen wird, der unsere Kliniken vor Ort sehenden Auges in den Ruin treibt. Das Siloah hat über Jahre hinweg bewiesen, wie moderne, zugewandte Medizin auf Top-Niveau funktioniert. Wenn der Bund jetzt die Krankenkassenbeiträge für Reformexperimente nutzt, anstatt den Häusern die realen Tarif- und Sachkosten auszugleichen, ist das brandgefährlich. Die bittere Insolvenz des Marienhospitals in Stuttgart muss uns allen eine Warnung sein: Denn ist ein Krankenhaus erst einmal geschlossen, ist diese Struktur für immer verloren. Die Menschen in Pforzheim und im Enzkreis brauchen eine verlässliche Gesundheitsversorgung und ich werde in Stuttgart mit aller Kraft dafür kämpfen, dass wir diese Abwärtsspirale stoppen.“
Ingrid Machauer, Krankenhausdirektorin des Siloah St. Trudpert Klinikums:
„Was wir gerade erleben, ist eine Mangelverwaltung, die am Ende die Patientinnen und Patienten und unsere hoch engagierten Teams ausbaden müssen. Selbst Häuser wie das unsere, die medizinisch und strukturell hervorragend aufgestellt sind und die seit Jahren sehr wirtschaftlich arbeiten, geraten durch die unzureichende Finanzierung unter Druck. Gesundheit und die Versorgung von kranken Menschen ist eine Kernaufgabe der Gesellschaft. Wenn die Politik so weitermacht, drohen erhebliche Versorgungslücken und das sollten wir uns als Gesellschaft nicht leisten.“
Mensch und Medizin im Mittelpunkt
Sowohl Seemann als auch die Krankenhausdirektorin machten deutlich, dass eine echte, nachhaltige Reform die Menschen in den Mittelpunkt stellen muss. Erforderlich seien verlässliche Finanzierungsstrukturen, eine am Bedarf orientierte Steuerung der medizinischen Leistungsangebote sowie sektorenübergreifende Versorgungskonzepte, die ambulante und stationäre Angebote sinnvoll miteinander verzahnen.
Stefanie Seemann versprach, die Sorgen aus dem Siloah nach Stuttgart mitzunehmen.

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