Wie schafft man es, den Landespreis für Heimatforschung Baden-Württemberg zu gewinnen? Dr. med. Stefan Bosch und sein Sohn Jason haben dafür über vier Jahre lang in Winternächten bei eisigen Temperaturen, Regen oder Schnee mit Wärmebildkameras den Wald bei Sternenfels untersucht und dokumentiert, wo die Waldbaumläufer, eine heimische Vogelart, sich im Winter ihre Schlafplätze suchen. Ein spannendes Projekt, das die beiden der Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann (Grüne) und einigen Interessierten bei einer Führung vorstellten.
Die Abgeordnete hatte dem Forscherteam zum Erhalt des Heimatpreises gratuliert. So kam die Einladung nach Sternenfels zustande. Stefanie Seemann zeigte sich bei dem Termin begeistert: „Der Landespreis ist hoch verdient! Die beiden zeigen, welche Geschichten es direkt vor unserer Haustüre zu erkunden und erzählen gibt.“ Das Engagement der beiden Forschenden für die Natur um Sternenfels sei einzigartig und zeige eindrücklich, welchen Schatz man hierzulande durch das Ehrenamt habe.
Die Gattung der Baumläufer, insbesondere der Waldbaumläufer, der zu den kleinsten Singvögeln Europas zählt, hat es Vater und Sohn Bosch angetan. In ihrer Studie beobachten, kartieren und forschen die beiden diese bei uns kaum bekannte Vogelart, die sich ihre Schlafmulden bevorzugt in der Rinde u.a. von älteren Mammutbäumen sucht. Erst ab ca. 80 Jahren Lebensalter verändert sich die Rinde der Bäume so, dass der Vogel sich eine Mulde hineinbohren kann. Ein Umstand, der bisher in der Fachliteratur nur für Kalifornien und die britischen Inseln beschrieben wurde.
Im Sternenfelser Wald nahe der ehemaligen Kanzelbuche konnte nun dank Dr. Bosch und seinem Sohn für die Waldbaumläufer ein ebensolches Verhalten nachgewiesen werden. Denn hier stehen einige gesunde und mächtige Exemplare dieser Riesenbäume, die in den 1860er Jahren durch das Württembergische Königshaus ins Land gebracht und angepflanzt worden waren. Der Speiseplan der besonderen Vögel wird von Blattläusen, Schnaken, Spinnen und anderen Insekten bestimmt. Ihr Bestand ist nicht sehr dicht, im Bereich Sternenfels gehen die beiden Fachleute von einigen, wenigen Brutpaaren aus. Deren Fortbestand hängt vor allem von einer naturnahen Waldbewirtschaftung mit Totholzinseln und ein wenig auch von den Mammutbäumen ab.
Dr. Bosch will erreichen, dass diese als Naturdenkmale einen Schutzstatus erhalten und so über viele Jahrzehnte hinweg die Voraussetzungen für das Weiterleben der Waldbaumläufer gesichert sind. „Unsere Studie hat mehr Fragen neu aufgeworfen, als geklärt werden konnten. Die Arbeit geht also weiter“, freut sich Stefan Bosch. Und Seemann ergänzt: „Ich unterstütze die beiden gerne dabei, die geschichtsträchtigen und für die Waldbaumläufer wichtigen Mammutbäume unter Schutz zu stellen.“

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