Auf Einladung der Keppler Stiftung fand ein intensiver und von großer Wertschätzung geprägter Austausch zwischen Frau Pia Theresia Franke, Vorständin der Keppler Stiftung, Herrn Markus Schellinger, Leiter des Seniorenzentrums St. Franziskus, sowie Stefanie Seemann MdL, Grüne, statt. Das Gespräch im Seniorenzentrum, einer der wichtigen Einrichtungen der sozialen Versorgung im Raum Mühlacker, drehte sich um die aktuellen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Sozial- und Pflegepolitik.
Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Sorge vieler Bürger*innen und Einrichtungen über die steigenden Kosten der Langzeitpflege und die damit verbundenen Eigenanteile für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Seemann betonte klar die Position ihrer Fraktion: „Alle Menschen haben das Recht, in Würde alt zu werden. Dazu muss Pflege bezahlbar bleiben.“ Sie erläuterte dazu das von ihrer Partei präferierte Konzept des sogenannten Sockel-Spitze-Tauschs. Hier würden die Pflegebedürftigen nur einen vorher festgelegten Sockelbetrag tragen, während die darüber hinausgehenden pflegebedingten Kosten von der Pflegeversicherung übernommen werden. Das Modell würde Planbarkeit und Entlastung für Betroffene und deren Angehörige schaffen, ist Seemann sich sicher.
Mehr Spielräume für moderne Pflegearchitektur
Ein weiterer Schwerpunkt war die Landesheimbauverordnung und die damit verbundenen Rahmenbedingungen für Neubauten wie dem der Stiftung auf dem Ziegeleigelände in Mühlacker. Die Stiftung setzt sich für mehr Flexibilität in der Planung ein, um beispielsweise dem Bedarf an Doppelzimmern für Paare gerecht zu werden und die Pflegekosten im Rahmen zu halten. „Altwerden verändert sich. Wir brauchen mehr Flexibilität für die Planung der Gebäude, in denen auch in Zukunft Menschen gut Altwerden können,“ so Vorständin Franke.
Herr Schellinger ergänzte mit Blick auf die moderne Pflege, wie wichtig Begegnungsräume für ältere Menschen sind: „In unseren Häusern und Gemeinden braucht es Orte, an denen Generationen aufeinandertreffen und Teilhabe an der Gesellschaft stattfinden kann.“ Nicht zuletzt sei dies eine präventive Kraft gegen Einsamkeit und Isolation im Alter und wirke so auch der Pflegebedürftigkeit von Menschen entgegen, so Schellinger.
„Das ist für uns ein Signal, dass Inklusion und Teilhabe politische Priorität haben müssen,“ so Seemann. Sie verwies auf ein jüngst vom Land verabschiedetes Präventionsprogramm gegen Einsamkeit, das Initiativen und Projekte unterstützt, um gerade ältere Menschen aktiv in Gemeinschaften einzubinden. Diese Förderung sei ein wichtiger Baustein, damit Menschen nicht in Isolation geraten und gesund altern könnten, so Seemann weiter.
Fachkräftemangel bleibt zentrale Herausforderung
Ein weiteres Thema war der Fachkräftemangel in der Pflege – ein bundesweit akutes Problem, das auch Baden-Württemberg spürbar trifft. Die Stiftung berichtete, dass sie bereits verstärkt Fachkräfte aus dem Ausland anwerbe, um offene Stellen zu besetzen. Die Zusammenarbeit mit der von der Landesregierung neu geschaffenen „Landesagentur für Fachkräfte“ – einer zentralen Anlaufstelle für die Gewinnung, Qualifizierung und Integration von Arbeitskräften – funktioniere gut und zeige, dass es gute Ansätze gibt, um Einrichtungen bei der Rekrutierung und Anerkennung ausländischer Pflegekräfte zu unterstützen.
Seemann betonte: „Die Gesundheitswirtschaft ist ein großer Wirtschafts- und Innovationszweig im Land, den die Landesregierung im Blick hat und auch weiterhin stärken sollte.“ Damit unterstrich sie die Bedeutung der Gesundheits- und Pflegebranche nicht nur als soziales, sondern auch als wirtschaftliches Standbein Baden-Württembergs – mit Perspektiven für Fachkräfte, Unternehmen und die regionale Entwicklung.
Ausblick: Gemeinsam stark für die Pflege von morgen
Zum Abschluss des Gesprächs blickte Frau Franke optimistisch in die Zukunft: „Wir nehmen den Austausch als Bestärkung mit: Die Herausforderungen sind groß, aber gemeinsam mit politischen Partnern, dem Engagement unserer Mitarbeitenden und den Menschen in unseren Einrichtungen können wir die Pflege weiterentwickeln – menschlich, zukunftssicher und mit Respekt vor dem, was jede und jeder einzelne braucht.“
Hintergrund zur Keppler Stiftung
Die Keppler-Stiftung ist eine große Trägerin der Altenhilfe in Baden-Württemberg und an 26 Standorten mit stationären, teilstationären und ambulanten Angeboten mit ca. 2800 Mitarbeitenden aktiv.

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