Residenzbahn – Planung und Realität

Residenzbahn – Planung und Realität

Dr. Lahl, Amtsleiter des Landesverkehrsministerium, berichtete über den Stand auf der Residenzbahn und diskutierte mit Pendlerinnen und Pendlern

Am Mittwoch, den 27. November 2019, kamen Dr. Uwe Lahl (Landesverkehrsministerium) und Matthias Lieb (Fahrgastbeirat Baden-Württemberg / Verkehrsclub Deutschland) auf Einladung von Stefanie Seemann, MdL, nach Remchingen. Sie diskutierten mit gut 80 Betroffenen und Interessierten den Schienenverkehr auf der Strecke Karlsruhe – Stuttgart.

Nicht erst seit dem Betreiber- und Fahrplanwechsel im Frühjahr 2019 prägten Unpünktlichkeit, Zugausfälle und schlechtes Zugmaterial den Personenverkehr auf der Strecke zwischen Stuttgart und Karlsruhe, der so genannten Residenzbahn. Viele Bürgerinnen und Bürger waren seit langem verärgert. Die Unzufriedenheit hat in diesem Jahr durch den Fahrplan- und Betreiberwechsel nochmals zugenommen.

Aus diesem Grund hatte Stefanie Seemann, selbst Vielfahrerin auf der Strecke Karlsruhe – Stuttgart, Dr. Lahl, Amtschef des Landesverkehrsministeriums, nach Remchingen zu einer öffentlichen Veranstaltung eingeladen. Unterstützt wurde sie dabei in der Kulturhalle von den Grünen Ortsverbänden Remchingen und Kämpfelbachtal/ Eisingen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Stefanie Seemann, die bereits viel Zustimmung erntete, begann Dr. Lahl seinen Vortrag über die Situation auf der Residenzbahn. Er stieg gleich damit ein, dass die geplanten Verbesserungen durch neues Zugmaterial und eine höhere Taktung in die Ballungsräume Stuttgart und Karlsruhe leider durch Schwierigkeiten im Rahmen des Betreiberwechsels im Frühjahr 2019 zunichte gemacht wurden. „Richtig schlecht“ sei man gestartet. Allerdings, so gab er zu bedenken, seien daran weder das Verkehrsministerium noch die Betreiber selbst vollumfänglich Schuld. Er erläuterte anschließend in einem gut 20-minütigem Vortrag die Problemkonstellation auf der Strecke. So sei beispielsweise Zugmaterial zu spät oder noch gar nicht wie vereinbart geliefert worden. Dass die Hersteller deswegen Strafzahlungen leisten müssten, würde aber leider weder den Betreibern noch den betroffenen Pendlerinnen und Pendlern helfen. Auch hätte man im Ministerium eine „Taskforce“ geschaffen, die eingehenden Beschwerden auf der Strecke sammeln und mit den zuständigen Fachstellen bearbeiten würden.

Als Beispiel für den Umgang von Beschwerden nannte er einige Punkte, die mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2019 verändert werden würden. So würde es ab Dezember wieder morgens und abends durchgehende Verbindungen zwischen dem Enzkreis und Karlsruhe geben, die auch an kleineren Bahnhöfen hielten. Zusammengefasst hieße das:

Im Spätangebot:

  • Zusätzlicher Zug um 23:45 Uhr Richtung Bietigheim von Pforzheim, -> dadurch ist die Spätverbindung Karlsruhe ab 23.15 h Richtung östlicher Enzkreis wiederhergestellt
  • Zusätzlicher Zug 00:05 Uhr ab Bietigheim Richtung Pforzheim, in Bietigheim Anschlussaufnahme von S5 aus Stuttgart Stadtmitte

Neue Frühdirektverbindung:

  • Illingen ab 6.55 h nach Heidelberg

Verbesserungen bei der AVG:

  • Neuer AVG-Eilzug Karlsruhe Hbf. ab 6.38 h bis Pforzheim (ohne Halt Durlach bis Wilferdingen-Singen; in Wilferdingen-Singen Anschluss an Abellio nach Stuttgart ab 6.58 h)
  • Frühere Ankunft der S5 (AVG) in Pforzheim 7.42 h statt bisher 7.48 h

Die neuen Abfahrtszeiten können auf der Webseite der Bahn oder über die App eingesehen werden.

Die Sanierung der Schnellbahnstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart erfordert eine Totalsperrung zwischen 10. April und 31. Oktober 2020. Es werde dadurch zu Verzögerungen auf der Residenzbahn kommen, da der Fernverkehr über die Trasse Bruchsal – Mühlacker – Stuttgart umgeleitet werden müsse (Informationen zu der Sanierung finden Sie hier).

Die wichtigsten Änderungen während der Sanierung der Schnellfahrstrecke:

  • Der IC Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart – Aalen – Nürnberg (IC Linie 61) entfällt zwischen Karlsruhe und Stuttgart
  • Dafür fährt der stündlich dazu versetzte IC Karlsruhe – Bruchsal – Stuttgart (IC Linie 60) über Pforzheim (allerdings ohne Halt in Mühlacker und Vaihingen)
  • Daher muss auch der zweistündliche IRE Karlsruhe – Stuttgart – Aalen um eine Stunde versetzt werden und fährt nur noch zwischen Karlsruhe und Stuttgart
  • Für Pforzheim tauschen also IC und IRE die Taktlage, der Angebotsumfang bleibt gleich.
  • Die halbstündliche versetzten IRE Karlsruhe – Stuttgart bleiben unverändert (mit längerer Fahrzeit nach Stuttgart)
  • Auch die S 5 zwischen Karlsruhe und Pforzheim bleibt uneingeschränkt
  • Zwischen Pforzheim und Bietigheim-Bissingen müssen allerdings manche Abellio-Züge wegen der hohen Streckenbelastung entfallen. Für diese wird ein Busersatzverkehr eingerichtet. Die Grundtaktzüge bleiben unberührt

(Diese Aufstellung bezieht sich auf die grundsätzlichen Linien und Takte. Änderungen von Einzellagen (z.B. in den Hauptverkehrszeiten) sind möglich.)

Der Ersatzfahrplan ist bereits online. Konkrete Verbindungen können im DB-Navigator abgefragt werden. Zum Teil würden sich Fahrzeiten verlängern. Allerdings, so Dr. Lahl, sei die Sanierung dringend notwendig und er werde sich dafür einsetzen, dass die geplanten 205 Tage Bauzeit eingehalten würden.

Matthias Lieb schilderte im Anschluss daran seine Sicht der Dinge. Die größten Probleme auf der Strecke ließen sich auf vier Faktoren zurückführen: Die DB Netz AG, die dringend erforderliche Verbesserungen wie an der Langsamfahrstrecke in Langensteinbach nicht umsetze. Weiter die Hersteller, die bislang nicht rechtzeitig und nur mit unausgereifter Technik ausgestattete Fahrzeuge liefern konnten. Des Weiteren gäbe es durch den Betreiberwechsel neue Akteure in dem Feld – mit entsprechenden Problemen bei Informationsfluss und Betrieb. Als letztes nannte er das Bundesland als Verantwortlichen für den Zustand auf der Strecke. Man hätte vor dem Fahrplanwechsel gleich, wie in Ländern wie der Schweiz üblich, eine Fahrgastbeteiligung durchführen müssen, um Einschränkungen für Pendlerinnen und Pendler minimal zu halten. Als Sofortmaßnahme schlug Lieb eine Zubringer-S-Bahn zwischen Mühlacker und Pforzheim vor, die die kleineren Bahnhöfe bediene. Zeitgleich müsse für möglichst gute Anschlussmöglichkeiten in Richtung Karlsruhe gesorgt werden.

Nachdem die beiden Referenten geendet hatten, gab es für die ca. 80 Gäste eine Stunde lang Zeit Fragen zu stellen. Dr. Lahl hatte hierfür zwei Fachplaner aus seinem Ministerium mitgebracht, um auch Fragen bezüglich der Feinheiten von Fahrplänen und Technik beantworten zu können. Inhalte des regen Austausches waren an dem Abend vor allem die fehlenden Direktverbindungen und schlechte Umsteigemöglichkeiten von und nach Karlsruhe. Immer wieder sprang auch Matthias Lieb ein, um die eine oder andere Detailfrage zu klären. Dabei wurde schnell klar, wie unterschiedlich die Nutzungsprofile der Anwesenden sind und wie vielschichtig die Herausforderungen bei der Planung von Fahrplänen sind.

Nach insgesamt zwei Stunden endete die Veranstaltung mit einem Schlusswort von Stefanie Seemann: „Ich freue mich sehr, dass Sie heute den Weg nach Remchingen gefunden haben, um sich vor Ort auszutauschen und Ihre Perspektiven einzubringen,“ schloss sie den Abend versöhnlich ab.