Rede Plenum: Zukunft des Ehrenamts

Zukunft des Ehrenamts

Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ehrenamt ist ein Begriff, der eher etwas verstaubt und aus der Zeit gefallen wirkt.

In vergangenen Jahrhunderten verstand man darunter das, was der eigentliche Wortsinn verdeutlicht – ein öffentliches Amt, das mit viel Reputation hinterlegt war und den Inhabern, meist Männern, zur Ehre gereichte.

Wie sieht das heute aus?

Ehrenamt hat viele Gesichter!

Wichtig ist: Menschen engagieren sich für eine gemeinsame Sache und für einander.

Ob wir es Ehrenamt nennen, bürgerschaftliches, soziales Engagement oder auch Partizipation oder Teilhabe – Im Kern geht es darum, dass Menschen freiwillig und unbezahlt, aus innerem Antrieb heraus unser Zusammenleben gestalten. Weil sie es wichtig finden, weil es ihnen Spaß macht. So wird Gemeinschaft gelebt.

Die Tätigkeitsfelder sind so bunt wie unsere Gesellschaft selbst. Egal, ob im Sport, in der Kultur, im sozialen Bereich, in der Kirche oder für Umwelt- und Tierschutz – wichtig ist die Tatsache, dass sie es tun.

Seit ich mich mit dem Thema Ehrenamt intensiv beschäftige, habe ich viele Menschen kennengelernt, die wirklich Großartiges leisten. Und die nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das vieler anderer Menschen bereichern.

Diese Einstellung, diese Geisteshaltung macht etwas mit unserer Gesellschaft. Sie macht sie zu einer „Mitmachgesellschaft“ – die geprägt ist von Zusammenleben, Gemeinschaft und Miteinander.

Baden-Württemberg ist das Land des Ehrenamts. Wir sind ganz vorne mit dabei, wenn es darum geht, sich zu engagieren.

Daher ist es für die Landesregierung und für uns Grüne eine Herzensaufgabe, das Ehrenamt zu unterstützen. Unsere gemeinsame Anfrage mit der CDU zu diesem Thema hat gezeigt – wir haben viel erreicht, aber es gibt noch viel zu tun.

Dabei gibt es unterschiedliche strukturelle Gegebenheiten in unserem Flächenland.

Der ländliche Raum in Baden-Württemberg weist eine Ehrenamtsquote von 52,6 % aus. Einerseits, weil ohne die ehrenamtlichen Angebote einfach weniger los wäre, andererseits weil die Mitgliedergewinnung hier viel persönlicher geschieht.

Im urbanen Raum gibt es viel mehr konkurrierende Angebote. Insbesondere junge Menschen wollen sich nicht unbedingt immer lang binden. Hier sehe ich die Chance in projektbezogenem, zeitlich begrenztem Engagement.

Die Digitalisierung kann die Weiterentwicklung ehrenamtlicher Strukturen erleichtern. Insbesondere wenn es darum geht, Ehrenamtliche miteinander zu vernetzen oder um kurzfristig agieren zu können.

Die Landesregierung hat die „Engagementstrategie Baden-Württemberg“ gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren entwickelt. Darin enthalten ist ein umfassender Maßnahmenkatalog.

Es geht vor allem darum, vorhandene Strukturen zu stabilisieren, mehr Menschen und Gruppen – gerade auch solche, die bisher eher unterrepräsentiert sind – für das Engagement zu begeistern und miteinander zu vernetzen.  

Die Strategie wirkt!

Beispielsweise hat die Evaluation des Programms „Gemeinsam sind wir bunt – Lebensräume zu Engagement-Räumen entwickeln“ gezeigt: Damit konnte ein großer Beitrag zur Stärkung lokaler Identität geleistet werden.

Die verschiedensten Projekte haben Impulse gesetzt und vor Ort nachhaltig viel bewegt.

Ebenso ist die Engagementsstrategie für die Entwicklung der Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam Gestalten“ eine wichtige Grundlage. Generationengerechtigkeit geht nur mit Engagement und Beteiligung!

Unsere Förderprogramme sind so breit aufgestellt wie unsere Gesellschaft bunt und lebendig ist.

Insbesondere im Bereich „Blaulicht“ ist das Engagement im wahrsten Sinne des Wortes eine Lebensnotwendigkeit und die Ehrenamtlichen verdienen unsere höchste Wertschätzung und eine gute Ausstattung.

Ein zentraler Wunsch vieler Ehrenamtlicher ist der Abbau der Bürokratie und finanzielle Erleichterungen.

So hat Baden-Württemberg und federführend unsere Finanzministerin Edith Sitzmann seit diesem Jahr die Freigrenze für Zuwendungen erhöht.

Im Bundesrat setzt sich die Landesregierung für eine Vereinfachung im Steuerrecht ein, damit gemeinnützige Organisationen von Verwaltungsaufwand entlastet werden.  Auch im Gemeinnützigkeitsrecht fordern wir Verbesserungen, z. B. wenn es um die Anhebung der Übungsleiter*innen- und Ehrenamtspauschale oder die Freigrenze für Einnahmen aus wirtschaftlichen Geschäftsbetrieben geht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Landesregierung fördert das Ehrenamt und unterstützt mit Rat und Tat und mit einem erheblichen finanziellen Aufwand ehrenamtliche Strukturen.

Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, dieses hohe Gut des Ehrenamts weiter zu fördern!

Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Debatte hat gezeigt – es gibt sicherlich noch viele Stellschrauben, über die wir noch diskutieren können. Die heutigen Wortbeiträge bestärken mich darin, dass diese Aktuelle Debatte nötig, wichtig und richtig war. Und ich denke – wir müssen den Dialog weiterführen.

Ehrenamt ist kein Randthema – es ist zentral für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Meine vielen Besuche bei Ehrenamtlichen haben mir klar vor Augen geführt: Ehrenamtliche haben unsere Unterstützung unsere Anerkennung und unseren Dank verdient.

Wir brauchen diese Menschen, die nicht nur um sich selbst kreisen. Menschen, die über den Tellerrand schauen, wahrnehmen, was um sie herum passiert und wo es klemmt und die dann ganz selbstverständlich Verantwortung übernehmen – für Andere, für die Umwelt, den Klimaschutz, die Integration, den Sport und, und, und … So entsteht Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Das Land fördert durch seine vielseitigen Programme unsere Anerkennungskultur.

Ich möchte hier stellvertretend für meine Fraktion allen Engagierten sagen: „Danke, was Ihr Ehrenamtlichen bewegt. Danke für Euer Engagement. Ohne Euch würde es nicht gehen. Ihr macht Baden-Württemberg erst so einzigartig und großartig. Danke dafür, dass ihr das Wertvollste gebt, was wir alle besitzen: Eure Zeit!