Mit Staatssekretärin Bärbl Mielich vor Ort bei pro familia: Optimierte Beratungshilfen für Familien

Gemeinsame Presseerklärung 5.7.2018:

 

Staatssekretärin Bärbl Mielich vor Ort bei pro familia: Optimierte Beratungshilfen für Familien

Auf Einladung der grünen Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann informierte sich Staatssekretärin Bärbl Mielich vor Ort in Pforzheim über die größte pro familia Einrichtung in Baden-Württemberg.

Seit 18 Jahren bereits werden hier vor Ort Beratungshilfen für Schwangere und  werdende Eltern geleistet und ebenso aufsuchende sozialpädagogische Hilfen zur Erziehung (gezielte familiäre Begleitung  zur Unterstützung in der Erziehung). Zwei Fachabteilungen mit über 50 pädagogischen Fachkräften arbeiten hier neben- und miteinander mit unterschiedlichen Aufträgen: dem Schwangerenkonfliktgesetz und dem Kinder-und Jugendhilfegesetz – ein Alleinstellungsmerkmal bei pro familia in Baden-Württemberg (so Edith Münch, Geschäftsführung).

„Als Leitungsteam leisten Edith Münch, Britta Gottwald und Wolfgang Jeuter  eine hervorragende Arbeit“, so Stefanie Seemann und betont: „Deswegen war es mir sehr wichtig, Frau Staatssekretärin Mielich das überaus vielfältige Hilfsangebot von Pro Familia zu zeigen und deutlich zu machen, wie wichtig diese Arbeit für die Menschen in und um Pforzheim ist.“

Staatssekretärin Bärbl Mielich fügt hinzu: „Die Mitarbeiter*innen von pro familia  leisten mit ihrem vielfältigen Angebot einen wertvollen Beitrag bei der Bewältigung individueller Lebenskrisen. Pro familia steht dafür ein, dass Familien und Frauen in der Schwangerschaft einen ungehinderten Zugang zu einer ergebnisoffenen Beratung haben, ebenso wie Zugang zu Informationen rund um Familienplanung.“ Mielich betont, dass die Arbeit von pro familia einen bundesgesetzlichen Auftrag erfülle und daher gesichert und unterstützt werden müsse.

Barbara Scheffler zeigte sich als 2. Vorsitzende von diesem Lob erfreut und unterstrich die besondere Rolle von Pro Familia Pforzheim: „Pro familia kommt aus der sozialen Bewegung und steht besonders dafür ein, dass die Rechte der Menschen, der Ratsuchenden sozialpolitisch gesehen und bestärkt werden.“

Die Leitungskräfte beschreiben die Vorteile der Zusammenarbeit:
> Wolfgang Jeuter, Leitung sozialpädagogische Familienhilfe: „Wir können mit vielen mehr- und muttersprachlichen Fachkräften Familien in ihren besonderen Lebenslagen abholen und beraten.“
> Britta Gottwald, Leitung Beratungsstelle: „Mit unseren vielfachen Fachkompetenzen können wir nachhaltige psychosoziale Unterstützung geben (sozialrechtlich  bis hin zur traumazentrierten Stabilisierung – z.B. bei Gewalterfahrungen).“

Pro familia-Mitarbeiter*innen unterstützen in besonderen Konfliktlagen und bei der Vorbereitung des Elternwerdens nach den Vorgaben des bundesdeutschen Gesetzes und im Auftrag des Landes Baden-Württemberg –  ergebnisoffen nach dem Willen der Eltern. Konfliktberatungen in der Schwangerschaft nehmen in der staatlich anerkannten Beratungsstellenarbeit nur 19 % ein – der ganz große Anteil fließt in die Vermittlung von Hilfen –  mit Entwicklung familiärer Lösungen und ganz besonders mit Finanzhilfen:   aus Mitteln der Bundes-und Landesstiftung und weiteren Hilfefonds für werdende Eltern – insgesamt ca. 218. 000 Euro wurden so im Jahr 2017 vermittelt.
Auch in der sozialpädagogischen Familienhilfe geht es um Lösungen zur Überwindung prekärer Lebenssituationen und um vielfache Begleitung – Selbstkompetenz und Teilhabe am Leben in Pforzheim und in der Region werden gestärkt.

Im Gespräch mit Staatssekretärin Bärbl Mielich können folgende gemeinsamen Ziele festgehalten werden:

Das Menschenrecht auf Familienplanung, das seit 1994 ein UN-Menschenrecht ist und im bundesdeutschen Recht schon seit 1992 nach der Wende verabschiedet wurde – als Gesetz zur Vermeidung und Bewältigung von Schwangerschaftskonflikten.

Es geht dabei um (Menschen-)Rechte, die gesellschaftlich und politisch gesichert werden müssen:

  1. Das Recht auf ungehinderten Zugang zur Beratung von Familien und Frauen in der Schwangerschaft:
    26 Jahre nach Einführung des Bundesgesetzes treten Gruppierungen in Erscheinung, für die bundesdeutsches Recht nicht gilt und die Frauen und Familien behindern, wenn sie zur Beratung kommen – hier muss es weitergehende rechtliche Schritte geben! Denn soziale Arbeit ist eine Profession, die Menschenrechte sichert – und daher ebenso gesichert werden muss! Hier geht es auch um staatlichen Schutz der Einrichtung und der sozialen Arbeit.
  2. Es geht um das Recht auf Zugang zur Verhütung, auch für Menschen, die SGB II-Leistungen erhalten: Pforzheim und Enzkreis stehen hierfür bereits ein – und auf Landes-und Bundesebene erhoffen wir eine gleichgerichtete Entwicklung für alle Kommunen im Land.
  3. Es geht um ein Recht auf Information, um Familienplanung in alle Richtungen umsetzen zu können –sowohl die Hilfeleistungen zur Vorbereitung der Geburt, wie auch der entgegengesetzten Entscheidung: Information auf qualifizierte medizinische Hilfen bei einer Abbruch-Entscheidung, so wie dies in den anderen deutschsprachigen Ländern Österreich und Schweiz selbstverständlich möglich ist! (Abschaffung §219a StGB)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten: „Wir stehen gemeinsam ein für Kinder-, Frauen- und Familienrechte, die Lebenschancen durch Bildung, Gesundheit, Schutz gegen Gewalt und aller Formen von Armut geben.“

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Teilnehmer*innen des Gespräches am 4. Juli 2018 sind:

  • Stefanie Seemann MdL
  • Staatssekretärin Bärbl Mielich MdL
  • Barbara Scheffler, 2. Vorsitzende pro familia Pforzheim e.V.
  • Edith Münch, Geschäftsführung
  • Wolfgang Jeuter, Leitung Sozialpädagogische Familienhilfe für Pforzheim
  • Britta Gottwald, Leitung Beratungsstelle für Pforzheim, Enzkreis und Landkreis Calw
  • Klaus Wöhr, Betriebsratsvorsitzender