Rede im Landtag: Hochschulen stark machen- neue Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs und Gründer

Herr Präsident/Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

gerade haben wir über die Digitalisierung gesprochen. Das ist gleichermaßen ein schönes wie drängendes Thema. Und es ist ein Thema, bei dem es einen ganz wichtigen Player gibt: unsere Hochschulen und Universitäten.

 

Dass wir hier im Innovationsland Nr. 1 daheim sind – das ist doch zu einem großen Teil ein Erfolg unserer Hochschulen und Universitäten!

Der Erfolg der Forschung, der Erfolg der hervorragenden Lehre – und nicht zuletzt der Erfolg des zunehmend wichtiger werdenden Wissenstransfers von den Hochschulen und Universitäten in Wirtschaft und Gesellschaft: das sind die Elemente, die Baden-Württemberg zukunftsfit machen. Das ist der Erfolg, an den jeder denkt, wenn über die Hochschullandschaft hier im Ländle gesprochen wird.

Ich bin mir daher sicher, dass ich für viele hier im Haus sprechen kann, wenn ich sage: unsere Hochschulen und Universitäten haben die besten Bedingungen verdient!

 

Was aber gehört zu diesen besten Bedingungen dazu? Wie machen wir Hochschulen stark?

 

Getrennt betrachtet bestehen Hochschulen zum einen aus Gebäuden und zum anderen aus den Menschen, die dort ein und ausgehen.

 

Starke Hochschulen brauchen eine starke Infrastruktur. Deswegen freue ich mich, dass wir im Doppelhaushalt 2018/2019 so viel Geld wie noch nie zuvor in die Hand nehmen wollen, um den Sanierungsstau im Hochschulbau abzubauen.

 

Allerdings ist es im Jahr 2017 mit den Gebäuden nicht getan. Deswegen dränge ich darauf – auch wieder mit dem Hinweis zur Debatte heute Morgen – dass wir die Forschungsinfrastruktur der Hochschulen zukunftsfit machen. Auch das ist eine große Baustelle.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Gebäude sind das eine. Sie sind eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für starke Hochschulen. Die eigentliche Qualität macht sich an den Personen fest, die an unseren Hochschulen und Universitäten arbeiten – sei es in der Forschung und Lehre, sei es in der Verwaltung. Ihnen allen gilt mein Dank!

 

Personen: das sind aber auch die 360.000 Studierenden, die in wenigen Tagen mit dem Beginn des Wintersemesters wieder in die Hörsäle und Bibliotheken ziehen.

Hochschule bildet, aber Studierende bilden auch Hochschule. Mir ist es wichtig, dass wir Studierende nicht als Durchlaufposition ansehen. Wer an eine baden-württembergische Hochschule geht, wer sich im Studium einbringt, lernt nicht nur, bildet sich nicht nur, sondern wird Teil einer Gemeinschaft.

Deshalb heißt Qualität der Hochschule und der Universität auch: engagierte und aktive, wissbegierige und offene Studierende!

 

Studierende profitieren von Forschenden und Lehrenden, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind, und die nicht nur Fakten, sondern auch den Geist des Neuen vermitteln können.

 

Der Bund, insbesondere aber auch die Landesregierung, sind daher zu Recht aktiv geworden. Fünf Punkte möchte ich hier ausführen:

 

Erstens: mit dem Tenure-Track-Programm haben Bund und Länder ein sehr sinnvolles Instrument aufgelegt, das für die Planbarkeit wissenschaftlicher Karrieren einen riesigen Sprung nach vorne bedeutet.

Deswegen freue ich mich ganz besonders, dass von den knapp 500 Tenure-Track-Professuren, die in der ersten Runde dieses Programms wissenschaftsgeleitet vergeben wurden, 65 nach Baden-Württemberg gegangen sind. Sieben unserer Universitäten haben nun die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen und ihre Profile mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu schärfen. Für diese bedeutet die Tenure-Track-Professur, dass Qualität und Planbarkeit verbunden werden. Das erhöht die Attraktivität erheblich.

 

Zweitens: Die Landesregierung hat jetzt ihren Entwurf der Landeshochschulgesetznovelle präsentiert. Hier werden die rechtlichen Grundlagen gelegt, um die Tenure-Track-Professuren so auszugestalten, dass sie auch tatsächlich etwas bringen. Zudem wird klargestellt, dass Familienfreundlichkeit auch für Landesbeamtinnen und Landesbeamte gilt – etwa mit Verlängerungsmöglichkeiten des Evaluierungszeitraums bei Kinderbetreuung. Als Mutter von 5 Kindern freut mich das besonders. Wer sollte sich um die Vereinbarkeit von Kind und Wissenschaftskarriere kümmern, wenn nicht wir!

 

Drittens: Eine weitere Maßnahme aus der anstehenden Novelle des Landeshochschulgesetzes ist ein bundesweites Novum. Promovierende sollen – und ich finde das sehr gut! – nun als eigene Mitgliedsgruppe geführt werden. Das ist nach der Einführung der Konvente und der Promotionsvereinbarung in der letzten großen LHG-Novelle nun ganz folgerichtig der nächste Schritt. Die Promotion ist eine eigenständige Phase zwischen Studium und wissenschaftlicher Tätigkeit – und genau dieser Charakter bildet sich im eigenen Status für Promovierende ab.

 

Viertens: Ich habe bereits das Thema Innovation, aber auch den Wissenstransfer angesprochen. Beides zusammen ist eines der Leitmotive unserer grün-schwarzen Landesregierung. Neben dem ganz hervorragenden Programm zur Förderung der Gründerkultur in der Lehre kommt jetzt folgerichtig der nächste Schritt: Wer an einer Hochschule etwas erfunden hat, wer daraus ein junges Unternehmen machen möchte, der wird es zukünftig leichter haben, für eine Übergangszeit Räume und Geräte der Hochschule nutzen zu können. Hochschulen sind schon längst Inkubatoren!

 

Und fünftens schließlich möchte ich noch auf den Erfolg der baden-württembergischen Pädagogischen Hochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bei der bundesweiten Ausschreibung „Innovative Hochschule“ hinweisen. Auch hier zeigt sich, wie stark die Hochschulen im Land sind, und wie sehr die Vermittlung von Wissen in die Gesellschaft – und umgekehrt natürlich auch: die Bürgerwissenschaft, die Öffnung der Wissenschaft für gesellschaftliche Anliegen – zur Zukunftsaufgabe wird.

 

Baden-Württemberg hat starke Hochschulen. Wir tun einiges dafür, dass das so bleibt. Nicht nur, weil gut ausgestattete Hochschulen und Universitäten per se einen Wert darstellen – das tun sie, keine Frage! – sondern auch deswegen, weil Wissenschaft das Zukunftsressort dieses Landes ist, und auch die Stärke des Landes viel mit der Stärke und der Qualität der baden-württembergischen Hochschulen zu tun hat.

 

In diesem Sinne – und auch da denke ich, dass viele hier im Saal mir zustimmen werden – drücke ich unseren Universitäten ganz fest die Daumen! Denn am Ende dieser Woche wird bekannt gegeben werden, welche Universitäten sich auf Grundlage ihrer Skizzen für Exzellenzcluster bewerben dürfen. Das wird eine wichtige Weichenstellung, der ich mit Zuversicht entgegensehe.